10 Jahre JGO

"There was a friendliness all around, and the combination of that with
the intense discipline of the work, especially from the young people,
was moving. If the whole world had this combination of
friendliness and discipline it would be a much better place."
(Zitat: David Tanenbaum)

Das Jugendgitarrenorchester Baden-Württemberg

- Projekte 2001 und Rückschau -

Das JGO mit Terry Riley und David Tanenbaum 2001 nach den Aufnahmen im Kloster Bronnbach

Im vergangenen, dem zehnten Jahr seines Bestehens wartete das JGO gleich mit mehreren spektakulären Projekten auf. Vermutlich hat damals, bei der Gründungsarbeitsphase im Juli 1991 niemand erwartet, daß nun, eine Dekade später dieses Ensemble zu einer der Spitzenformationen seiner Art avanciert ist, dessen Ruf weit über die Grenzen Deutschlands hinausreicht.

Das aufsehenerregendste Ereignis im Jubiläumsjahr war die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Komponisten Terry Riley und dem Gitarristen David Tanenbaum aus San Francisco, den das JGO bereits '97 bei Konzerten in der Alten Oper Frankfurt und in Ansbach begleitet hatte. Mit ihnen spielte das JGO im Kloster Bronnbach bei Wertheim eine CD für Cadenza / Bayer - Records ein, auf der übrigens auch der namhafte deutsche Jazzgitarrist Michael Sagmeister als Solist mitwirkte. Terry Riley ist einer der ganz großen Komponisten, dessen Wirken nachhaltig die Musik der letzten 40 Jahre beeinflusste. Gemeinsam mit Steve Reich gilt er als einer der Initiatoren der "Minimal Music", - ein Kompositionsstil, der sowohl in der modernen klassischen Musik als auch in Rock, Jazz und Fusion erheblichen Einfluss ausübte und ausübt. Später wandte sich Riley mehr der fernöstlichen Musikauffassung zu und verband diese mit Elementen der Rock- und Jazzmusik westlicher Prägung.

Für das JGO ist es eine ganz besondere Ehre, daß ein Komponist, der bereits als lebende Legende verehrt wird, ein Stück ("Y Bolanzero") eigens für das Ensemble komponiert hat und der bei der Einspielung und dem anschließenden Konzert mitwirkte. Im Anschluß fand er die folgenden schmeichelhaften Worte für das Orchester:

"I was extremely impressed with the group's energy, dedication
and focus. The JGO did an amazing job of learning, shaping and
premiering a difficult new work. Not only did they play it well .....they
put everything they had into it. It Rocks!" (Zitat: Terry Riley)

Im Herbst wurde eine weitere CD mit dem Solisten Olaf Van Gonnissen in Biberach produziert, wo bereits vor vier Jahren "Mouvements Dynamiques" (Bayer - Records, CAD 800890) entstand. Neben diesen herausragenden Aktivitäten spielte das Orchester aber auch im Rahmen von zwei Tourneen eine ganze Reihe von Konzerten, in Heidelberg, Mannheim und Rastatt zum Jubiläum im Sommer und dann im Herbst vier Konzerte im Raum Frankfurt.

 

Musik verbindet

Etwa 100 Spielerinnen und Spieler waren in den vergangenen 10 Jahren Mitglieder des JGO, derzeit sind es etwa 50 Aktive, von denen immer 30 - 35 bei den Arbeitsphasen und Projekten anwesend sind. Die Konzeption des Jugendensembles bringt es mit sich, daß immer eine gewisse Teilnehmerfluktuation in Kauf genommen werden muß. Studienaufenthalte im Ausland, Interessensverlagerung oder auch das Überschreiten der Altersgrenze sind hierfür der Grund. Dennoch bleiben die meisten Spieler für mehrere Jahre im Orchester, derzeit sind noch zwei der ehemaligen Gründungsmitglieder dabei. Nicht immer ist es einfach die Kontinuität und das Niveau der musikalischen Arbeit angesichts dieser Tatsache zu halten. Aber im Orchester erleben die jungen Musiker dermaßen viel Motivation, daß ihr Engagement bisher zu einer ständigen Weiterentwicklung und Leistungssteigerung führte. Beispielsweise übte eine Gruppe von Spielern einmal ganz selbständig noch nachts um halb vier Uhr - wohlgemerkt nach einem bereits neunstündigen Probentag! - ein sehr schwieriges avantgardistisches Stück. Als zufällig der Dirigent vorbeikam um sich zu Bett zu begeben fragten sie ihn, ob er nicht noch etwas Zeit hätte, um bei der Nachtprobe behilflich zu sein!

Auch die sozialen Kontakte untereinander, Freundschaften die im Orchester entstanden sind und sich über die Jahre erhalten haben, tragen zu der hohen Motivation bei. Ehemalige Mitglieder, die inzwischen nichtmehr mitmachen haben aus eigener Initiative das "Süddeutsche Gitarrenorchester" gegründet, das sich zweimal im Jahr zu Proben und einem Konzert trifft. Es ist wohl so, daß das Wissen darum, bei einer ganz phantastischen Sache dabeisein zu können, sehr viel Eigenverantwortung bei den Spielern aufbaut, die Hilfsbereitschaft untereinander und das Verantwortungsgefühl füreinander und für das Orchester sind enorm.

 

 

wie es begann:

1991 war Arnold Sesterheim, der Verantwortliche für musikalische Fragen beim Bund Deutscher Zupfmusiker Baden-Württemberg Mitglied im Gremium des Landesmusikrates gewesen. Auf seine Anregung hin entschloß sich der Musikrat ein Gitarrenorchester nach dem Muster der anderen Landesjugendensembles zu gründen. Die organisatorische Leitung übernahm in ehrenamtlicher Tätigkeit und mit enormem Engagement Herr Horst Ricken, der bis 2001 alle anfallenden Arbeiten (Anschreiben, Versand von Notenmaterial, Buchen von Proben-Unterkünften, Buchen von Bus- und Flugreisen innerhalb Deutschlands aber auch im Ausland u.v.m.) Mit einer Ausschreibung wurde zur Gründungsarbeitsphase mit Abschlußkonzert im Juli '91 in Rastatt eingeladen. Diese erste Arbeitsphase leitete damals Sesterheim selbst und das erste Konzert des JGO geriet zum Erfolg. Es folgten weitere Probenwochenenden zu denen Sesterheim als Kodirigenten Eberhard Wilhelm hinzuzog, der bis 1997 dabeiblieb und der die erste größere Auslandsunternehmung, die Konzertreise zum "Festival de Plectro" im nordspanischen Logroño im Sommer 1993 leitete. Noch heute schildern die Dabeigewesenen begeistert die Erlebnisse dieser Reise, die Konzerte in Kirchen, das gute Essen der Region, die Freundlichkeit der Gastgeber und die überaus anregende Festivalatmosphäre, aber auch, wie die ganze Gruppe ihren Reisebus anschieben musste, da dieser nicht ansprang. Für das Selbstverständnis des Orchesters, für das feste Etablieren eines "Wir - Gefühls" war dies ein entscheidender Moment.

1994 zog sich Arnold Sesterheim aus der aktiven Arbeit mit dem Orchester zurück, blieb aber dessen musikalischer Leiter, der nun eher im Hintergrund die Aktivitäten koordinierte. Als neuer Dirigent kam für ihn Helmut Oesterreich: (Zitat H.Oe: "..ja, ich wurde damals von den Ereignissen regelrecht überrollt. Ende '93 rief mich Arnold Sesterheim an, ob ich nicht mitarbeiten wolle. Ich wurde dann zu der traditionellen Januar - Arbeitsphase eingeladen und erarbeitete mit den Spielern einen Satz aus Steve Reichs Electric Counterpoint, eine graphisch notierte Klangflächen-Partitur mit Zuspielband und das berühmte Pink - Panther Theme. Ich bemerkte sehr rasch das enorme spielerische und musikalische Potential und bemühte mich, dies in den Proben auszuschöpfen und als homogene Orchesterleistung hörbar zu machen. Es gab ein Abschlusskonzert in Rastatt und danach hieß es, ich solle mir 10 Tage im Februar frei halten für eine Konzertreise nach St. Petersburg, außerdem eine Woche im Mai, denn da sei die Teilnahme am Bundesmusikfest in Sachsen vorgesehen und schließlich noch im Sommer eine Konzertreise nach Südostasien, Thailand und Laos.")

 

einige Highlights

St. Petersburg:

Bei der Ankunft herrschten -27° Celsius bei strahlendem Sonnenschein. Zwei Konzerte gab es in der Stadt selbst, eines im 100km entfernten Nowgorod. Jedesmal wurde das Ensemble enthusiastisch gefeiert, offenbar wirkte eine Ansammlung derart vieler Gitarristen exotisch. An den konzertfreien Tagen gab es ein Besichtigungsprogramm, in dem der Besuch beim Zarenpalast "Peterhof", in der berühmten Gemäldegalerie "Eremitage" und des Kirov - Balletts enthalten war. Die Spieler waren in Privatfamilien untergebracht. Trotz der mehr oder weniger vorhandenen Sprachbarrieren begegneten ihnen die Leute mit einer überschwenglichen Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Die materielle Not war nicht zu übersehen, dennoch waren alle sehr bemüht, uns mit besonderer Gastlichkeit zu verwöhnen: Ehebetten wurden geräumt, Süßigkeiten, Fleisch und Südfrüchte aufgetischt, teilweise mußten die russischen Freundschaftsbeweise sogar mit einer besonderen Standfestigkeit im Wodkatrinken überstanden werden.

Der gute Kontakt ließ aber auch ernsthafte Gesprächsthemen wie die aktuelle politische Lage, Wirtschaft, Demokratie, Kommunismus, Tschernobyl usw. aufkommen. Neben den Konzerten, der musikalischen Erfahrung, den Sehenswürdigkeiten dürfte dieser freundschaftliche zwischenmenschliche Kontakt sicher zu den wertvollsten Erlebnissen zählen, die das JGO von dieser Reise mit nach Hause nehmen konnte.

 

Thailand / Laos:

Alles begann mit einer Intensivprobe am Tag vor Reiseantritt in Heidelberg. Ab Frankfurt ging es dann mit Olympic Airways zunächst nach Athen mit 15-stündigem Aufenthalt, dann mit einem Jumbo nach Bangkok. Bangkok bietet den Eindruck eines vor Leben überquellenden Hexenkessels. Unmöglich, in wenigen Zeilen all die neuen und daher umso überwältigenderen Eindrücke zu schildern! Zwei Konzerte spielte das JGO in dieser Stadt, eines veranstaltet von der Deutschen Botschaft, das andere "open air", bei ohrenbetäubendem Lärm der vorbeifahrenden Motorboote direkt am Fluß. Die hohe Luftfeuchtigkeit führte dazu, daß sich mit lautem Knall während des Spiels der Steg am Instrument einer Spielerin löste.

Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Thailand

Khon Kaen, die Hauptstadt der nordöstlichen Provinz Isan, war die nächste Station. Wir erreichen sie mit dem Nachtzug. Im Vergleich zu Bangkok ist diese Stadt sehr viel ruhiger und gut überschaubar. Wir können fast alles im Zentrum zu Fuß oder mit der Fahrradrikscha erreichen. Faszinierend hier das alltägliche Leben, die Häuser und Stände der Handwerker, der Markt, die betörenden Geruchsvarianten Das Konzert in der Universität war eines der gelungensten der ganzen Tournee.

Unser letztes Ziel war Vientiane, die Hauptstadt von Laos. Sie bietet wiederum ein völlig anderes Erscheinungsbild. Auf den ersten Blick ist zu sehen, daß Laos eines der ärmsten Länder der Welt ist. Das Leben scheint hier langsam, quasi verschlafen abzulaufen. Eine Stunde Verspätung, so sagt man uns, gelte immer noch als pünktlich. Auch sollten wir uns nicht wundern, wenn vieles nicht funktioniert. - Wir nehmen es gelassen, passen und der Mentalität des Improvisierens an. Das Konzert im "Zirkus der Russisch - laotischen Freundschaft" hatte wahrhaft zirzensischen Charakter, die zahlreichen Leute kamen und gingen während der Vorstellung, etliche Kinder waren im Publikum, aber auch hier schlug dem Orchester eine ungeheure Begeisterung entgegen.

 

Europäisches Jugendmusikfestival Kopenhagen '96 / CD - Einspielung

Bei diesem Festival, das eine Woche lang für mehr als 6000 jugendliche Musiker aus ganz Europa Raum zur Präsentation ihres Könnens bot, erhielt das JGO das große Privileg, im Eröffnungskonzert zu spielen und eine vom Festival in Auftrag gegebene Komposition uraufzuführen (Zitat: ...amazingly well together!"). Inzwischen war als weiterer Dirigent Roland Boehm aus Biberach hinzugekommen, der Eberhard Wilhelm vertrat und später ersetzte. Das aufregendste Ereignis in Kopenhagen fand aber außerhalb des offiziellen Programms statt. Ein Mitglied des Orchesters hatte herausgefunden, daß der Jazzgitarren - Gigant Pat Metheny in der Stadt war, er hatte einen Auftritt im dortigen Jazzclub. Da ihm ursprünglich unserer Repertoirestück von Steve Reich gewidmet war, wollten wir versuchen ihm unsere Interpretation vorzustellen. Tatsächlich gelang es, sein Hotel ausfindig zu machen. Die Hotelmanagerin war einverstanden, daß wir uns zum Zeitpunkt seiner Ankunft dort in der Lobby einfanden um ihn mit unserem Vorspiel zu überraschen. Dies gelang, Metheney freute sich offensichtlich, interessiert und aufmerksam hörte er unserem Spiel zu. Im anschließenden gemeinsamen Presseinterview sagte er, er sei sehr beeindruckt. (Zitat: "thank you guys, brilliant sound")

JGO - Mitglieder mit Pat Metheny in Kopenhagen

Im Herbst des Jahres dann nahm das JGO seine erste CD "Mouvements Dynamiques" , die von der Fachpresse hoch gelobt wurde, in der Stadthalle Biberach auf. Das Repertoire bestand größtenteils aus moderner, avantgardistischer Musik. Die Komponistinnen Violeta Dinescu und Susanne Erding - Swiridoff, Roland Boehm und Eberhard Wilhelm sowie Peter Hoch steuerten interessante Beiträge bei.

 

Prag - Tschechien 1997 - Leo Brouwer 1998 - Australien 1999

Mit diesem Repertoire unternahm das Jugendgitarrenorchester '97 wieder eine Fahrt, diesmal nach Tschechien und Prag. Sie wurde von einer Mitspielerin des Orchesters organisiert. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ hier ein Konzert in einer Schule. Das dargebotene Programm wurde den jugendlichen Zuhörern mit einer humoristischen Moderation präsentiert, was die Stimmung im Saal regelrecht zum Kochen brachte. In einem weiteren Konzert in Prag waren der Komponist Vaclav Kucera und das tschechische Musikerduo "Due Boemi" (Baßklarinette, Klavier) zugegen. Mit beiden ergab sich daraus eine Zusammenarbeit: Kucera komponierte ein wirkungsvolles Stück für das JGO, das es viel auf seiner Australientournee spielte, Due Boemi waren die Solisten in einer Komposition von Roland Boehm, die '98 von Leo Brouwer dirigiert wurde. Damals, nach einer zweitägigen Vorbereitung in der Jugendherberge Baden-Baden stand der als Gastdirigent eingeladene Brouwer, eine der weltweit bedeutendsten Persönlichkeiten der klassischen Gitarre, pünktlich zur verabredeten Zeit in der Tür des Probenraumes. Nach einer kurzen Begrüßung erfolgte ein fliegender Wechsel am Dirigentenpult und er war sofort mitten in der Materie. Rasch erwies er sich als ein ausgesprochen inspirierender, temperamentvoller und fachkundiger Dirigent, der das Orchester enorm forderte. In den wenigen Tagen gelang es ihm, die jugendlichen Gitarristen zu einem erstaunlichen Leistungsschub anzuregen. Er behandelte die Spieler wie Profis, manchmal beinahe kollegial. Die Ergebnisse der Proben wurden dann in einem Konzert präsentiert und vom Rundfunk aufgenommen. Brouwer selbst hatte offenbar viel Freude an der Arbeit mit dem Orchester und regte an, Kontakt zu einem kubanischem Gitarrenensemble aufzunehmen.

Roland Boehm - Josef Horák - Leo Brouwer - Emma Kovárnová
nach dem Konzert im Kurhaus Baden-Baden

Zum Abschluß, nach dem gemeinsamen Konzert im Baden-Badener Kurhaus wurde bis spät in die Nacht gefeiert, wobei reichlich Gelegenheit war, sich mit dem unter keinerlei Starallüren leidenden Maestro ausgiebig zu unterhalten. Schon in den Tagen zuvor, in den Probenpausen oder abends bei einem Bier, konnten wir ihn als einen unkomplizierten, humorvollen und sehr herzlichen Menschen kennenlernen, der immer Zeit für Fragen und Anliegen hatte, und der natürlich auch gern Anekdoten aus seinem abwechslungsreichen Musikerleben zum besten gab.

 

Australien / Singapur

Die bislang aufwendigste Reise führte das Orchester '99 nach einem Zwischenstopp in Singapur mit Konzert in der Deutschen Schule für vier Wochen nach Australien. 35 Spielerinnen und Spieler, 2 Dirigenten, ein Organisationsleiter und 42 Instrumente (insgesamt 96! einzucheckende Gepäckstücke). Siebenmal wurde auf dieser Tournee das Flugzeug bestiegen. Diese, in jeder Hinsicht herausragende Reise beinhaltete wieder eine Fülle musikalischer Erfahrungen, Kontakte, Begegnungen mit Komponisten und Gitarristen, und nicht zuletzt natürlich auch Eindrücke in asiatische Lebensweisen in Singapur und von einem einzigartigen Kontinent am anderen Ende der Welt - "down under", wie die Australier selber ihre Lage auf der Weltkarte bezeichnen. Die Stationen mit jeweils einem oder zwei Konzerten waren Perth, Adelaide, Melbourne, Sydney, Canberra und Brisbane. In Australien gibt es eine recht rege Gitarrenensembletradition, dennoch wurde das JGO auch hier überall sehr gelobt. In Perth war das JGO das "featured ensemble" eines Gitarrenorchesterfestivals (Zitat: ...they are really world class!"), in Adelaide und Melbourne (am renommierten Victorian College of the Arts) gab es außer den Konzerten auch Workshops zur Ensemblepraxis, in Sydney waren die australischen Komponisten Charlton und Plankenhorn im Konzert, um der Aufführung ihrer Stücke zuzuhören. Am Tag nach dem Konzert war das ganze Orchester eingeladen zum Segeln vor der Traumkulisse des Opernhauses und der großen Harbour Bridge. In Canberra besuchten wir einen wildlife - park um Känguruhs, Dingos und Koalabären zu bestaunen. Wer geduldig war kaufte sich erst in Brisbane, am Ende der Reise ein Digeridoo. Manch einer tat dies bereits in Perth und mußte das sperrige Souvenir immer mitschleppen. Gewohnt wurde meist in "backpackers resorts" der australischen Variante von Jugendherbergen. Unvergessen, wie der Dirigent Roland Boehm abends die gesamte Gruppe mit Pasta und Tomaten - Knoblauchsoße bekochte.

 

EXPO 2000 - Tour und Gäste aus Kuba

Im Millenniumsjahr schließlich war das JGO eingeladen im kulturellen Rahmenprogramm der Expo mitzuwirken. Als Solist der "Fantasia para un Gentilhombre" von Joaquin Rodrigo wirkte Olaf Van Gonnissen (Professor für Gitarre in Hamburg, Frankfurter Gitarrenduo) mit. Bedingung um in der Veranstaltungsreihe "doubles" im großen Konzertsaal der Expo aufzutreten war, daß man ein ausländisches Partnerensemble mitbrachte. Dazu nahm das JGO die Anregung Leo Brouwers auf und lud das kubanische Ensemble "Sonantas Habaneras" mit ihrem Leiter Jesús Ortega ein. Sie brachten viel lateinamerikanische Musik mit und vermittelten mit ihrer Spielweise karibische Lebensfreude. Außer den drei Auftritten auf dem Expogelände gestalteten die beiden Ensembles ein gemeinsames Programm, das auch in Fulda, Kassel, Bielefeld und Münster zur Aufführung kam. Nun existiert für 2002 eine Gegeneinladung aus Kuba, das JGO wird am Internationalen Gitarrenfestival in Havanna teilnehmen (Konzert am 12.Mai im Teatro Roldan).

Die Unternehmungen des Jugendgitarrenorchesters wurden und werden ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung des Deutschen Musikrates und des Landesmusikrates Baden-Württemberg in Verbindung mit dem BDZ (Bund Deutscher Zupfmusiker). Mit diesem Engagement in Sachen Jugend - Musikkultur wird ein sehr erfreulicher und begrüßenswerter Beitrag zur Förderung begabter junger Musikerinnen und Musiker geleistet. Die positiven Impulse, die musikalischen Erfahrungen, der Kontakt zu fremden Kulturen und ausländischen Musikern sind kaum überzubewertende Eindrücke, die Toleranz und die Bereitschaft zur Verständigung in hohem Maße fördern, ein Aspekt , der gerade angesichts der jüngsten schrecklichen terroristischen und kriegerischen Ereignisse in seiner Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann.

Musik verbindet, und es bleibt zu hoffen, daß das Jugendgitarrenorchester auch in Zukunft weiter gefördert wird, um das Erreichte zu halten, sich musikalisch weiterzuentwickeln und um auch in den nächsten Jahren wieder spannende Projekte in Angriff nehmen zu können.

 

Discographie:

Y Bolanzero (Bayer - Records CAD 800879)

Mouvements Dynamiques (Bayer - Records CAD 800916)

Danzas y Fantasias (in Vorbereitung, erscheint 2002)

reference (JGO-003, eigene Edition des Orchesters)

down under - das JGO live in Australien (JGO 004, eigene Edition des Orchesters)

Expo - Tour 2000 live! (JGO 005, eigene Edition des Orchesters)


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