
down under...
das Jugendgitarrenorchester Baden-Württemberg
in Australien und Singapur (16.08.99 bis 13.09.99)
...they are really world class! (Graham Hall, Perth, Classical Guitar Society of West Australia) |
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Mit 35 Spielerinnen und Spielern, 2 Dirigenten, einem Organisationsleiter und 42 Instrumenten (insgesamt 96! einzucheckenden Gepäckstücken) unternahm das Jugendgitarrenorchester Baden-Württemberg im vergangenen Sommer eine großartige vierwöchige Konzerttournee nach Australien und Singapur. Diese, in jeder Hinsicht herausragende Reise beinhaltete eine Fülle musikalischer Erlebnisse, Kontakte, Begegnungen mit Komponisten und Gitarristen, und nicht zuletzt natürlich auch Eindrücke in asiatische Lebensweisen in Singapur und von einem einzigartigen Kontinent am anderen Ende der Welt - "down under", wie die Australier selber ihre Lage auf der Weltkarte bezeichnen.
Ermöglicht wurde diese Unternehmung durch die finanzielle Unterstützung des Deutschen Musikrates und des Landesmusikrates Baden-Württemberg in Verbindung mit dem BDZ (Bund Deutscher Zupfmusiker). Mit diesem Engagement in Sachen Jugend - Musikkultur wird ein sehr erfreulicher und begrüßenswerter Beitrag zur Förderung begabter junger Musikerinnen und Musiker - die meisten der Teilnehmer sind hochambitionierte Laien, die sich als Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert" qualifiziert haben - geleistet. Die positiven Impulse einer derartigen Reise für die Teilnehmer, aber auch für den Eindruck im Ausland, sind kaum überzubewerten.
Die Reise begann mit einem dreitägigen Aufenthalt im asiatischen Stadtstaat Singapur, der als Insel dem südlichen Zipfel Malaysias vorgelagert ist. Die Route auf dem Australischen Kontinent umfaßte dann alle Großstädte West-, Süd,- und Ostaustraliens, beginnend mit Perth, gefolgt von Adelaide, Melbourne, Sydney, Canberra und schließlich Brisbane. Die riesigen Entfernungen wurden - mit einer Ausnahme - mit vier Inlandflügen bewältigt.
Zeitplan und Route
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Repertoire
Die Konzertprogramme setzten sich aus dem nachfolgenden Repertoire zusammen. Zwei der Stücke wurden speziell für das JGO komponiert, und zwar die Beiträge des Australischen Komponisten John Patrick Plankenhorn und von Michael Quell, beides avancierte Werke der Neuen Musik.
| Francesco da Milano | ( 1497 - 1543) | Fantasia sexta |
| Giovanni Gabrieli | (1554-1612) | Sonata pian e forte Canzona |
| Michael Quell | (*1960) | Satori - 5 Haiku |
| George Bizet | (1838 - 1875) | Suite Arlesienne - Menuett |
| Manuel de Falla | ( 1876 - 1946) | Feuertanz |
| Leo Brouwer | (*1939) | Tres Danzas Concertantes |
| Richard Charlton | (*1955) | 5 Impromptus (for Guitar Quartet) |
| John Patrick Plankenhorn | Magic Mystery Mama Nostalgia
Flog It's Time To Be Getting Our Own Smell |
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| Roland Boehm | (*1950) | Grave - Allegro |
| Leonard Bernstein | (1918-1990 ) | America |
Somit gab es auch zwei Uraufführungen:
In Singapur Satori von Quell, ein Stück das wesentlich
von subtilen, flächigen Klangwirkungen gekennzeichnet ist, und
in Perth Plankenhorns Magic Mystery Mama, ein sehr
komplexes und schwieriges Ensemblestück, bei dem das Orchester
ein Solistenduo (E-Gitarre und verstärkte klassische Gitarre)
begleitet: Motivsplitter wandern durch die Orchesterstimmen,
überlagern sich und erzeugen eine polyrhythmische und polytonale
Textur von hoher Dichte.
Das Solistenduo
(gespielt von Antje Asendorf und Torsten Koker) ist hochvirtuos,
die Musik ist, insbesondere durch den Klang der verzerrten
E-Gitarre, von Frank Zappa inspiriert. Bei Brouwer's Danzas
spielte David Domingez den Solopart.Bei einigen Konzerten wurde
das Programm noch durch rein solistische Beiträge aufgelockert:
Christian Wernicke spielte Campero von Astor Piazzolla
und das Duo Andreas Krause - Rüdiger Weiss von Jana Obrovska Due
Musici.
Konzert-highlights
Sämtliche Konzerte hatten etwas besonderes und erwähnenswertes aufzuweisen. So etwa der Auftritt in der Deutschen Schule in Singapur vor einem durchweg sehr jugendlichen Publikum, das Konzert in Adelaide zu dem das JGO mit dem gesamten Gepäck zu Fuß hinging, die Auftritte im Penrhos College, das einen exklusiven Konzertsaal hatte, um den es manche mittelgroße Deutsche Stadt beneiden dürfte, und wo die Lehrerinnen besorgt darüber waren, daß ihre Schülerinnen von unseren männlichen Mitspielern vom Unterricht abgelenkt werden könnten. Bedauerlicherweise mußte ein in Canberra im Parlament geplantes Konzert abgesagt werden, da die Räumlichkeiten für einen Staatsbesuch des Chinesischen Ministerpräsidenten benötigt wurden. Dennoch gab es vier Konzerte, die als die absoluten highlights hervortraten.
So war es für das JGO eine besondere Ehre als Tourneeauftakt beim 11th Western Australian International Classic Guitar Ensemble Festival in Perth vor Fachpublikum als das "featured ensemble" auftreten zu können. Im Abschlußkonzert des gesamten Festivals hatte es (45 Minuten lang) den letzten Beitrag überhaupt, direkt nach "Guitarstrophy", dem besten und bekanntesten Australischen Gitarrenensemble; - begeisterte Resonanz! (...final climax of the festival!" John Casey, Leiter von "Guitarstrophy")
Das Victorian College of the Arts in
Melbourne ist eines der Hauptzentren der Australischen
Gitarristik. Anthony Field, der Leiter der Gitarrenabteilung, ist
ein noch junger, sehr virtuoser Gitarrist, der sich engagiert um
seine Studenten kümmert. Er ist Nachfolger von dem nun in
Holland lebenden Peter Constant, der Mitglied in "Guitartrek
", dem führenden, auch von John Williams geschätzten,
Australischen Gitarrenquartett gewesen ist. Sowohl von A. Field
als auch von Guitartrek gibt es sehr interessante CDs. Das
Konzert im VCA wurde vom Rundfunk mitgeschnitten und landesweit
gesendet, das Programm bestritt zum überwiegenden Teil das JGO.
Darüberhinaus gab es auch zwei vom VCA - guitarensemble
gespielte Beiträge Australischer Komponisten: Ein Stück war von
Richard Charlton, das zweite war eine Uraufführung einer
Auftragskomposition von Marian Budos, einem sehr originellen und
humorvollen Menschen, mit dem wir uns später in Canberra
regelrecht anfreundeten. Die Zugabe America spielten beide
Ensembles gemeinsam.
Ein weiterer Höhepunkt war das Konzert in Sydney gewesen.
("...the best concert I ever attended", sagte
Ojas Sangoski, der Vorsitzende der Australian Classical Guitar
Society). Hierher kamen beide Australischen Komponisten
deren Musik wir spielten. Richard Charlton
war begeistert von unserer Interpretation seiner
Five Impromptus, einer tonalen Komposition, die auf intelligente
und abwechslungsreiche Weise barocke, folkloristische und
gemäßigt moderne Stilelemente beinhaltet. Sehr gespannt waren
wir auf John Patrick Plankenhorn gewesen, mit dessen Stück wir
so viele Probenstunden verbracht hatten. Er gilt in Australien
als "the man who is far out", wohl wegen der
Kompromißlosigkeit seiner musikalischen Ideen. Er äußerte sich
nach der Aufführung völlig überwältigt vom Spiel des JGO und
sagte, er würde sich wünschen seine Musik würde immer so
engagiert, exakt und konzentriert aufgeführt. Roland Boehm und
Helmut Oesterreich, die beiden Dirigenten waren anschließend bei
seinen Verwandten eingeladen, in einem Haus, das einen
fantastischen Blick auf die große Hafenbrücke, auf das bizarre
Opernhaus und auf die nächtliche Skyline Sydneys bot. An diesem
Abend wurde bei Rotwein noch viel über Musik geredet.
Besonders schön war auch das Abschlußkonzert der gesamten Tournee in Brisbane. Exzellent organisiert von der Gitarristin Angelina Ellis, hatten wir großes und fachkundiges Publikum, -- darunter der shooting star Karin Schaupp, - das unser Spiel überwältigend feierte. Im Vorfeld des Konzerts hatten wir gleich zwei Runfunkinterviews bei verschiedenen Sendern. Zur Umrahmung der Dialoge wurden Teile aus den JGO - CDs gesendet.

Konzerte und Workshops (Gesamtübersicht)
| 18.08.Concert | Singapur | German School Singapur |
|---|---|---|
| 21.08.Concert | Perth | Classical Guitar Society |
| 22.08.Concert | Perth | Guitar - Festival |
| 25.08. Workshop/Concert | Perth | Penrhos College |
| 28.08. Concert | Adelaide | Classical Guitar Society |
| 01.09. Workshop | Melbourne | Victorian College of Arts |
| 02.09. Concert | Melbourne | Victorian College of Arts |
| 04.09. Concert | Sydney | Classical Guitar Society & Lion's Club |
| 08.09. Concert (+ workshop) | Canberra | Australian-German Institute |
| 11.09. Concert | Brisbane | Queensland Guitar Society |
Die Workshops
Zweimal leiteten die Dirigenten des JGO einen Workshop mit lokalen Gitarristen und Gitarrenensembles. In Adelaide nahmen vorwiegend Gitarrenlehrer und die Spieler eines Jugendensembles teil, in Melbourne waren es Studenten. Beide Male hielt H. Oesterreich einen Vortrag über "General Aspects Of Ensemble - Playing With Guitars", in Melbourne kamen Erläuterungen zur "Arbeit mit graphischen Partituren" durch R. Boehm hinzu. Die Vorträge wurden ergänzt durch Hör- und Demonstrationsbeispiele durch die Spieler des JGO.
In einem praktischen Teil hatten die jeweiligen Ensembles dann Gelegenheit mit den JGO Dirigenten an ihrem Repertoire zu arbeiten, was sehr positiv aufgenommen wurde. (A. Field: "We can really learn a lot of you.").
Die Gitarrenszene Australiens
Der gesamte Australische Kontinent deckt eine Fläche ab, die so groß ist wie Europa, allerdings leben darin lediglich 20 Millionen Menschen - größtenteils in den viele hundert km voneinander entfernten urbanen Zentren. Die Girarristen, Interpreten wie auch Pädagogen, sind zumeist in den jeweiligen regionalen Classical Guitar Associations organisiert, deren Dachverband in Sydney ansässig ist. Die einzelnen Gruppen agieren weitestgehend selbständig. Nur wenn - wie bei unserer Konzerttournee - überregionale Ereignisse anstehen, dann tritt man miteinander in Verbindung um Termine und Werbeaktionen aufeinander abzustimmen. So kommt es, daß man trotz der räumlichen Isoliertheit gut voneinander weiß. Die Namen die uns überall begegneten waren vor allem Timothy Kane, der offenbar in der Regierungshauptstadt Canberra eine Art "Gitarrenimperium" aufgebaut hat. Die meisten jüngeren professionellen Gitarristen Australiens haben zumindest zeitweilig bei ihm Unterricht gehabt. Stolz ist man auch auf die Gitarrenbauer des Landes, allen voran natürlich Smallman. Die junge deutschstämmige Gitarristin Karin Schaupp ist wegen ihres Erfolges bei einer großen internationalen Plattenfirma in aller Munde.

Das Ensemblespiel mit Gitarren nimmt einen hohen Stellenwert ein. Das Gitarrenensemble -Festival in Darwin ist ein Großereignis von internationaler Bedeutung. Neben ausländischen Stars wie dem LA Guitar Quartet treten hier viele Australische Gruppen auf. Die renommierteste ist wohl Timothy Kanes Quartett Guitartrek, das in der Besetzung Requinto - Gitarre - Gitarre - Baßgitarre spielt. Aber auch das Sydney Guitar Trio oder die schon erwähnte Guitarstrophy (etwa 30 Spieler) nahmen an dem Festival teil. Ein weiteres Ensemblefestival ist das in Perth. Zahlreiche Kompositionen professioneller Komponisten für Gitarrenensemble zeigen, daß dieses Genre auch außerhalb der Szene durchaus ernst genommen wird.
Insgesamt gesehen ist die Zahl der Gitarreninteressierten zwar eher klein, jedoch bemüht man sich offenbar mit großem Engagement darum, dem generell nur mäßigen Interesse der Bevölkerung an klassischer Musik etwas entgegenzusetzen.
Eindrücke vom Land, Erlebnisse und Kurioses
Abgesehen von den musikalischen Ereignisse und Aktivitäten waren es auch die Eindrücke des Landes und der sehr offen und unkompliziert wirkenden Menschen, die die Reise zu einem so herausragenden Erlebnis werden ließen. Unmöglich hier auf alles einzugehen, es seien lediglich einige wenige Beispiele genannt:





Und von hier, von Brisbane aus traten wir schließlich wieder die Heimreise an, voll von unvergleichlichen Eindrücken - und im Gepäck zahlreiche Dijeridoos. Ankunft in Frankfurt am ersten Schultag nach den Sommerferien, morgens um 6:40Uhr - wer mag es wohl geschafft haben um 8.00 Uhr rechtzeitig im Unterricht zu sein?

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