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ida

   

 

  Costa Rica

 

 

Reisebeschreibung
von Ulrich Münz

Das JGO in Granada, Nicaragua

Arnold Sesterheim

 

Sonntag, 17. August
Nach einer kurzen Nacht verlassen wir morgens um fünf die Jugendherberge von Bad Homburg wo vor der Reise das Programm nochmasl intensiv geprobt worden war in Richtung Flughafen Frankfurt.Das Boarding beginnt um 7:30 Uhr, nach Sitzreihen sortiert werden die Passagiere ins Flugzeug gebeten. Was so schön geordnet beginnt endet mit einer fünfstündigen Verspätung des Abflugs. Die Klimaanlage des Flugzeugs ist defekt und muss erst repariert werden. Nach zwei Stunden im Flieger werden wir ein einen gesonderten Warteraum gebeten, wo wir mit Business-Class-Erdnüssen und Cola light bei Laune gehalten werden sollen. Als wir schließlich um halb vier in Madrid ankommen haben wir unseren Anschlussflug natürlich verpasst und müssen auf Kosten von Iberia im Hotel übernachten. Zuvor dauert es allerdings noch drei weitere Stunden bis alle Tickets für die neuen Anschlussflüge ausgestellt sind. Im Hotel erwartet uns eine reichhaltiges Buffet, wenigstens eine kleine Entschädigung für den verkorksten Tag. Danach fahren die meisten noch ins Zentrum von Madrid, wo sie am Plaza Mayor bei Straßenmusik und Sangria den Tag
ausklingen lassen.











Mandy Bahle bei
Vorbereitungsproben

 
Warten auf den Abflug Madrid, Plaza Mayor: Strassenmusiker


Montag, 18. August
Auch das Frühstücksbuffet im Hotel lässt keine Wünsche offen. Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Flughafen, von wo aus wir um 13 Uhr tatsächlich in Richtung Miami abheben. Nach achteinhalb Stunden Flugzeit erleben wir dort die neu eingeführten Sicherheitsstandards. Auch als Transitreisende müssen wir zunächst durch eine Visa- und Passkontrolle, dann durch den Zoll und zum Schluss noch einmal unser Handgepäck kontrollieren lassen, wobei in den USA beim Durchschreiten der Personenkontrolle auch die Schuhe ausgezogen werden müssen. Um 17:30 Uhr Ortszeit startet das Flugzeug nach Ciudad Guatemala. Kaum haben wir dort den Flughafen verlassen, machen wir Bekanntschaft mit jenem Gefährt, dass für die nächsten sechs Tage unsere Unterkunft sein wird: unserem Reisebus. Nach einem Fast Food - Abendessen fahren wir ins vier Stunden entfernte Quetzaltenango (indianisch Xelajú), wo wir in einer Jugendherberge mit spartanischen sanitären Anlagen übernachten.

Dienstag, 19. August
Zum Frühstück erwartet uns eine Erbsen-Kartoffen-Eintopf und der hier typische, süßliche Kaffee. Während die Orchesterleiter ein Radiointerview geben, haben die Spieler Zeit sich die Stadt anzusehen. Unübersehbar ist dabei die große Zahl an zum Teil sehr jungen Schuhputzern, die nur mit Mühe von ihrer Arbeit abgehalten werden können. Die große Mehrheit der hier lebenden Bevölkerung ist immer noch stark in der indianischen Kultur verwurzelt, was nach außen vor allem durch die bunt gemusterte Frauenkleidung sichtbar wird. Zum Mittagessen sind wir in ein Chinesisches Restaurant eingeladen. Bei der anschließenden Probe im Theater spielen wir erstmals "Centroamérica Ismeña", ein Potpourrie aus Mittelamerikanischen Volksliedern, unter dem Dirigat von Mario Solera. Er ist von unserer Interpretation so begeistert, dass er es während der gesamten Tournee kein weiteres Mal proben möchte. Nach einem Abstecher zur Herberge, wo wir alles Gepäck mitnehmen, fahren wir wieder ins Theater. Im Anschluss an das Konzert werden viele Orchestermitglieder um Unterschriften auf den verkauften CDs gebeten. Gleich nach dem Abendessen fahren wir mit dem Bus durch die Nacht nach Antigua Guatemala.

Tournee - Repertoire:

Wulfin Lieske (*1956) Three Misunderstandings on F.S.
Terry Riley (*1934) Y Bolanzero
Marian Budos (*1968) Three Days with the Eastern Emperor
Will Ayton (*1964) Prelude and Ricercar
Pat Metheney (*1954) Phase Dance
Babette Koblenz (*1956) Inlines or out laws
Manfred Ramirez (arr.)   Centroamerica Istmeña
Antonio Vivaldi (1678-1741) Concerto G-Dur

(Solisten: Christoph Weisbrod, Max Richter )

 


Mittwoch, 20. August
Morgens um fünf erreichen wir die frühere Hauptstadt von Guatemala, in der einige Klöster und Regierungsgebäude noch gut erhalten sind. Der Stadtrundgang bei Sonnenaufgang vor der Weiterfahrt nach Honduras hat seinen ganz besonderen Reiz.


Guatemala Antigua im Morgengrauen

Beim Mittagessen unter einem Palmendach bekommen wir erstmals die Hitze des Tieflandes zu spüren. Nachmittags erreichen wir die Grenze, die wir nach einer Stunde passieren können. Da die Zeit drängt - wir müssen abends um acht in San Pedro Sula ein Konzert geben - entfällt die Besichtigung der Maja-Stadt Copán. Aus turistischer Sicht sicherlich der größte Verlust der Reise. Um halb acht erreichen wir die Musikschule in San Pedro Sula. Selbst jetzt, wo die Sonne schon untergegangen ist, ist es hier, nur wenige Kilometer von der karibischen Küste entfernt, noch unerträglich heiß und schwül. Wenigstens der Konzertsaal ist klimatisiert. Anschließend sind wir zum Barbecue eingeladen, wo es Tacos mit verschiedenem Fleisch und Soßen gibt. Nach der anstrengenden Busfahrt sind alle so müde, dass im Hotel schnell die Lichter ausgehen.

Donnerstag, 21. August
Nach dem Frühstück fahren wir an einen Karibikstrand, der allerdings leider recht schmutzig war. Dafür schmeckt das Mittagessen in einer Strandbar umso besser. Am Nachmittag geht es weiter nach Tegucigalpa, der Hauptstadt Honduras', die wir erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen. Das anschließende Wegstück zum Hotel kurz vor der nicaraguanischen Grenze ist nach Aussage des Busfahrers das gefährlichste unserer Reise. Wir erreichen jedoch unbeschadet das Hotel, wo wir es uns nicht nehmen lassen um Mitternacht noch in den Swimmingpool zu springen.

Freitag, 22. August
Die Fahrt nach Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, führt nach der Grenze über eine kilometerlange Schotterstraße, obwohl diese Strecke als Transitroute in den Karten eingezeichnet ist. Rechts und links dieser Straße befinden sich Häuser und Baracken der einheimischen Bevölkerung. Unser ständiger Begleiter auf diesem Abschnitt ist dabei der San Cristobal, der größte Vulkan Nicaraguas.

Abends um sieben erreichen wir das Hotel, von wo aus wir sofort weiter zum Sitz des deutschen Botschafters fahren, der an diesem Tag seinen Abschied feiert. Nach einem kurzen Konzert dürfen wir das Buffet eröffnen. Später am Abend gibt es noch eine Jazz-Session mit Orchestermitgliedern und unsern befreundeten costaricanischen Musikern. Das Fest wurde schließlich mit einem Bad im pool der Botschaft beendet.

Samstag, 23. August
Heute können wir etwas länger schlafen, da wir nur ein kurzes Wegstück vor uns haben. Unterwegs besuchen wir einen typischen Markt und die vulkanische Lagune Apoyo. Um halb fünf erreichen wir das Casa de los tres Mundos in Granada, der ersten von Spaniern in der neuen Welt gegründeten Stadt. Nach einem Abstecher ins Hotel, geht es wieder in den Konzertsaal um ein paar Gruppenfotos zu machen und zuproben. Das Konzert war sehr gut besucht, nicht zuletzt deshalb weil die gesamte Gitarrenklasse des örtlichen Konservatoriums zum Zuhören (bereits bei der Probe) gekommen war. Nach dem Konzert gibt es ein Abendessen im Casa de los tres Mundos


Helmut Oesterreich

Sonntag, 24. August
Im Zimmer ohne Klimaanlage wachen viele Orchesterspieler bereits um sechs Uhr auf und können aufgrund der Hitze nicht mehr weiterschlafen. Wir springen kurz in den Pool und laufen dann durch die Stadt. Um acht sind wir passend zum Frühstück wieder zurück, während andere in der vormittägliche Hitze Granadas Altstadt erkunden. Nach dem Mittagessen geht es weiter nach San José, wo wir endlich mal mehr als einen Tag im Hotel bleiben und so die Möglichkeit haben, das eine oder andere Kleidungsstück zu waschen. Interessanterweise dauert der Grenzübergang dieses Mal deutlich länger als sonst und auch nach der Grenze werden wir noch einige Male kontrolliert. Auf diese Weise versucht Costa Rica dem Problem illegaler Einwanderer Herr zu werden.



Montag, 25. August
Vormittags proben wir ein wenig und fahren nachmittags nach San José um dort einen kleinen Rundgang zu machen. Wir sehen das Theater, das Nationalmuseum, die Nationalbibliothek und ein Stück der Berliner Mauer, dass ein Außenminister mal als Gastgeschenk nach Costa Rica mitgebracht hat. Um fünf treffen wir (Simone, Maraike, Johannes und ich) uns mit Mandy und Helmut bei der Zeitung La Nación, der größten Tageszeitung Costa Ricas, um dort ein Interview zu geben.

Dienstag, 26. August


 

 

 


Um halb sechs stehen wir auf um rechtzeitig um sieben beim Fernsehsender Canal 7 zu sein, wo wir live im Frühstücksfernsehen auftreten. Kurz nach neun ist dann unser Auftritt, der eigentlich nur Play-back ist, da die Musik von CD kommt. Wir liefern lediglich das Bild dazu. Gleich im Anschluss geht es zum costaricanisch-nordamerikanischen



Concert at Teatro O' Neill, San José

Kulturzentrum, wo wir an diesem Abend auftreten. Nach einer Probe fahren einige von uns wieder ins Hotel, um die Konzertkleidung auszuziehen. Die übrigen verbringen den Tag in der Stadt. Das Konzert an diesem Abend bestreiten wir mit zwei costaricanischen Gitarrenorchestern, vielleicht war es das beste Konzert der ganzen Reise.


Orquesta de Guitarras de Costa Rica
Leitung: Mario Solera (im rosa Hemd)


Mittwoch, 27. August
Auch heute müssen wir wieder früh aufstehen um in der deutschen Humboldt-Schule zu spielen. Wieder sind wir etwa anderthalb Stunden zu früh und müssen daher warten, ehe wir zunächst vor den Fünft- bis Siebtklässlern und anschließend vor den älteren Schülern spielen dürfen. In der Schulkantine sind wir zum Mittagessen eingeladen. Den Nachmittag verbringen einige wieder in San José, andere fahren zu einer Freibadanlage des Hotels. Abends gehen die meisten in verschiedene Jazz- und Heavy-Metal-Kneipen der Stadt.

Donnerstag, 28. August
Heute müssen wir wieder die Koffer packen, es geht in Richtung Pazifik. Auf dem Weg dorthin fahren wir auf den Vulkan Poás, dessen Krater der zweitgrößte der Erde ist. Wir haben Glück und können zwischen Nebelschwaden tatsächlich die andere Kraterseite sehen.

Danach geht es weiter nach Serchí, wo wir zu Mittag essen und einige Souvenirs kaufen können. Um vier spielen wir in der Musikschule von Palmeras. Da der Saal, in dem wir spielen zu klein ist, wird das Konzert mittels Kamera und Fernseher auch auf den Gang übertragen. Ehe es weiter nach Nicoya geht, bekommen wir noch ein Abendessen. Dort angekommen werden wir auf die Familien der dortigen Folkloregruppe aufgeteilt.

Freitag, 29. August
Unser Busfahrer hat uns in seine Finca am Strand Samara eingeladen. Dort erwartet uns ein echter Traumstrand. Viele von uns schwimmen zu einer vor der Bucht gelegenen Insel, als Ergebnis davon haben am Abend fast alle Sonnenbrand. Mittags wird vor dem Haus gegrillt, ein wahres Highlight der Reise. Anschließend gehen wir noch mal ins Wasser. Ehe der nachmittägliche Platzregen einsetzt rette ich mich ins Trockene während andere im Wasser bleiben oder erst ins Wasser gehen. An diesem Abend spielen wir in einer Turnhalle, da die ursprünglich vorgesehene Kirche zu klein ist. Auch das ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Nach dem Abendessen treffen wir uns noch einmal in einer Bar.

Samstag, 30. August
Früh morgens treffen wir uns um nach San José zurück zu fahren. Nach dem Mittagessen im Hotel nutzen viele den Nachmittag um sich etwas von den Strapazen der Reise zu erholen. Abends fahren wir vom Hotel zum Konzert, das diesmal von unserem Hotel organisiert wurde. Wir teilen uns das Konzertprogramm mit einer 14jährigen costaricanischen Pianistin. Unseren letzten Abend in Costa Rica verbringen wir teils im Hotel, teils bei einer spontanen Jamsession bei unserer Gastgeberfamilie, Katja, Juan und mario Solera.

Sonntag, 31. August
Um 8:30 müssen wir am Flughafen sein um unser Gepäck aufzugeben. Pünktlich um zehn vor elf startet die Maschine nach Miami, von wo aus es über Madrid wieder nach Hause geht.


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