Hongkong - Australien 2011


 

Reisetagebuch

Aufgrund des Engagements des ehemaligen JGO – Spielers Hendrik Müller und um bestehende Kontakte nach Australien wiederaufleben zu lassen unternahm das JGO im August / September eine ausgedehnte Tournee die im Vorfeld zu Australien auch Hongkong als Station mit enthielt. 20 Spieler und die beiden Dirigenten Helmut Oesterreich und Christian Wernicke machten sich nach einigen intensiven Vorbereitungsproben in Heidelberg auf den Weg.

                    
                     Chr. Wernicke        H. Oesterreich

Das Programm:
 

J.S. Bach (1685-1750)  Concerto en la menor BWV 1041 soloist: Theresa Mattes
   Allegro - Andante - Allegro assai  
     
Joaquin Turina     (1882-1949) Oración del Torero  
     
Roland Dyens       Tango en Skai  soloist: Johannes Wischmann
     
Giya Kantcheli  (*1935) Little Daneliade  
     
     
Carl Stamitz   (1745-1801)  Orchesterquartett  
    Allegro assai  - Andante allegramente - Poco presto  
     
Ryan Brown (*1979)  Banksy      soloists: Simon Forster E-Bass
                 Dennis Merz E - Guitar
     
Olivier Bensa (*1949)   Trois Mouvements Dynamiques  
    Allegro - Andantino -   Presto  
     
Kurt Weill Mack The Knive  
     

25.08.

Gleich bei der Abreise gab es eine Schrecksekunde, der Zug zum Flughafen Frankfurt hatte eklatant Verspätung, aber das Zitpolster war dick genug, so daß es problemlos mit dem Einchecken und dem Abflug um  13 h mit einem hochmodernem Jumbo der Cathay Airlines klappte.

 

                              Hongkong Skyline
 Hongkong (Blick vom Peak)   Strassenszene mit JGO            Hongkong Skyline
     
 

Segeln vor dem
Sydney Opera House

 

26.08.

11 Stunden später war die Landung, nach Ortszeit  früh morgens in Hongkong. Mit einem Shuttle Bus gelangten wir zum Hostel, das  im 16 Stockwerk eines Hochhauskomplexes, dem Chungking Mansion im Stadtteil Tsim Sha Tsui gelegen war.
Die winzigen, sehr langsamen  Aufzüge waren gewöhnungsbedürftig. Um das ganze Orchester hinauf oder hinabzutransportieren mussten wir jedesmal mindestens eine halbe Stunde einplanen, manchmal mehr.  Im Erdgeschoss dess Mansion waren die ersten Eindrücke: Menschengewimmel, Gerüche nach…., viele kleine Geschäfte und Händler, Betriebsamkeit.)
Direkt nach dem Einchecken in die winzigen aber sauberen und klimatisierten Zimmer wurden wir von unseren Hongkong – Partnern, Abholung von John Kam und einigen Spielern des Hongkong Guitar Ensemble und seiner Tochter Wynee Kam zu einem Sightseeing - Ausflug Cable Car – Fahrt auf die Berge und Besichtigung einer riesigen und Buddha Statue geführt. Nicht nur entspannend , da viele seit fast 24 Std nicht mehr geschlafen hatten, trotzdem aber ein wunderbarer Reisebeginn.

27.08.

      

Gemeinsame Probe mit dem Hongkong Guitar Ensemble . Unsere Partner holten uns vom Hostel ab und geleiteten uns durch die U – Bahn  zum  Hongkong Education Center. Dort erhielten wir zunächst einen Chinesischen Imbiss und dann wurde geprobt. Zwei Stücke (Weill , Dyens) spielten beide Ensembles gemeinsam, die Stimmen waren von den Chinesen sehr gut vorbereitet worden, das Zusammenspiel klappte beinahe auf Anhieb. Der Solist bei Roland Dyens‘ Tango en Skai war Ken Kam. Abends war individuelle Freizeit in Kleingruppen angesagt, einige gingen zur  Uferpromenade um die  nächtliche erleuchtete Skyline zu sehen, andere besuchten Restaurants oder den Night Market ) 

 

28.08

Auch dieser Tag stand unter dem Vorzeichen einer  gemeinsame Probe – eas war eine offene Probe mit  zahlreiche Zuhörern. Inzwischen hatte man sich schon etwas kennengelernt und konnte  entspannt freundschaftlich  mit den jugendlichen des HKGE (Hong Kong Guitar Ensemble) umgehen.  Es war durchweg eine  heitere Atmosphäre, und besonders bei der abendlichen Essenseinladung in einen chinesischen food court wurde viel gelacht beim Versuch mit Stäbchen zu essen und beim einüben einiger Vokabeln in der jeweils anderen Sprache. Das Essen selbst war dann aber doch für europäische Gaumen recht gewöhnungsbedürftig. Es gab geshredderte Hähnchen an denen kaum normales Fleisch war, mehr Knorpel, Haut, brrr!
 

John Kam conducting his Hongkong Guitar Ensemble   Learning how to eat in China

29.08

„Joint Guitar Concert“, dieses, das erste Konzert geriet gleich zu einem Highlight der ganzen Tournee. John Kam, der Leiter des Hongkong Guitar Ensemble hatte die Sha Tin Town Hall, einen repräsentativen modernen Konzertsaal dafür angemietet und erheblichen Werbeaufwand betrieben. So kamen denn auch fast 400 Zuhörer zu dem gemeinsamen Auftritt beider Ensembles. Das chinesische Ensemble spielte Werke von Rossini (Wilhelm Tell Ouvertüre, Vivaldi (G-Dur – Konzert für 2 Gitarren, Mancini und chinesische Komponisten, das JGO wählte aus seinem Repertoire das Bach – Konzert BWV 1041, Olivier bensas Trois Mouvements Dynamiques und Banksy von Ryan Brown. Zum Abschluss spielten beide Orchester gemeinsam Roland Dyens‘ Tango en Skai mit dem Solisten Kenneth Kam und als Zugabe Mack the Knife von Kurt Weill. Nach der Veranstaltung bedrängte das Publikum den CD- Verkaufsstand um sich signierte Exemplare zu sichern. Erneut gab es im Anschluss eine Essenseinladung durch das Partnerensemble.

30.08.

Am frühen Nachmittag fand ein pädagogisch moderiertes Konzert in der Deutsch – Schweizerischen Schule Hongkongs statt. Wir gelangten dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln, einer Fährüberfahrt und Bussen. Etwa 200 Schüler waren zugegen und freuten sich offenbar über den Unterrichtsausfall aber sicher auch über das musikalische Programm. Besonders gut kam Brown’s Banksy mit dem E-Gitarrensolo von Dennis Merz und dem E-Bassspiel von Simon Forster an und die humoristische Filmmusik „Little Daneliade“ des russischen Komponisten Gyia Kancheli. Das Werk war ursprünglich für Gidon Kremer und seine Camerate Baltica geschrieben, eignet sich aber auch sehr in der Bearbeitung für Gitarrenorchester. Einen mit viel Beifall bedachten  Höhepunkt in diesem und in weiteren Konzerten bildete auch der Duobeitrag von Claudia Kampel undf Johannes Wischmann, die eine bestechende Interpretation eines Satzes aus Pastor Pioazzollas Tango – Suite spielten.


Johannes Wischmann - Claudia Kampel


Nach dem Konzert fuhren wir zum nahegelegenen „Peak“  und hatten von der Anhöhe aus einen beeindruckenden Blick  auf die Stadt mit den bizarren Hochhäusern. Auf dem Rückweg ins Hostel konnten wir die abendliche Laser – Lightshow sehen.
Später waren wir gemeinsam mit dem Hongkong Guitar Ensemble Cocktailbar im 102 Stockwerk des ICC, etwa 500 m über der Stadt. 

 

31.08.

Den freien Tag nutzten die Spieler individuell zum Shoppen, um ins Kunstmuseum zu gehen, für eine chines. Fussmassage und dergleichen.
Die vorherrschenden Eindrücke von der Stadt waren vor allem Faszination der dicht gedrängten Hochhausarchitektur, der Menschenmassen, des heiß-feuchten Klimas das überall einen klebrigen Film hinterließ so daß man nichts anfassen mochte, ständig das Bedürfnis zum Duschen verspürte. Und Freude über die Gastfreundschaft und Offenheit des Partnerensembles.
Abends dann war Auschecken aus dem Hostel und die Fahrt zum Flugplatz angesagt, ein weiterer  8 1/2 stündiger Flug brachte uns nach Sydney. 

 

01.09

Zur Abholung hatt Christopher Kane, Head of Sydney Guitar Society einen Bus zum Hostel organisiert. Hier war es wesentlich geräumiger als in Hongkong.  Der Tag war individuell frei was die Orchestermitglieder zu Besichtigungen der Stadt, der berühmten Oper oder einer Hafenrundfahrt nutzten. Am Abend sahen sich einige eine Aufführung von La Boheme an.
Unbehagen bereiteten aber die teuren Essenskosten. Mahlzeiten in einem Restaurant waren nicht möglich. Daher entschied das Orchester im Hostel zur Selbstversorgung überzugehen, im Supermarkt einzukaufen und selbst Mahlzeiten und Frühstück zuzubereiten.

  Selbstversorger

02.09.

Probentag; erfreulicherweise konnten wir im Hostel (im umarrangierten Speiseraum) nochmals ausgiebig proben. Ansonsten gab es wieder Freizeit für die Spieler.

         

03.09.

Der Vormittag war der Besichtigung der großen Harbour Bridge vorbehalten, nachmittags gab es nochmals eine Probe für das abendliche Konzert. Veranstalter war die Sydney Guitar Society, es fand statt in der akustisch und atmosphärisch angenehmen St Stephens Anglican Church. Auch hier fanden die CDs des JGO reges Interesse.

 

04.09

Ein zusätzliches spontanes Konzert spielte eine kleinere Gruppe des JGO im Sydney Segeljacht Club. Erinnerungen an die Konzertreise von 1999 als  das schon einmal der Fall war kamen auf. Zuhörer von damals waren wieder im Konzert des Vortags gewesen, einer von ihnen, Tig Thomas, der Commander des Jachtclub hatte den Auftritt und die damit verbundene 3,5-stündige Segeltour für das gesamte JGO in der Sydney Bay bis hin zum offenen Meer, vorbei am einzigartigen Panorama der City Skyline von Sydney mit dem Opernhaus und der Harbour Bridge organisiert. Auf 5 Segeljachten konnten die SpielerInnen unter der Anleitung der  Bootsbesitzer beim Segeln selbst mit Hand anlegen.

 

05.09.

Nach Canberra, der hauptstadt Australiens gelangten wir mit einem Greyhound – Linienbus. Dan Sloss von der Canberra Guitar Society erwartete uns. Bereits  am gleichen Abend hatten wir Konzert im Wesley Music Center einem konzertsaal mit ausgesprochen guter  Akustik. Im Publikum war der Geschäftsführer der Deutschen Botschaft, der eine nette Begrüßungsrede hielt. Auch Tim Kain, die australische Gitarrenlegende, Freund von John Williams und Chef des ebenfalls legendären Gitarrenquartetts „Guitartrek“ war mit seinen 3 Spielpartnern da.  Last not least Marian Budos, Komponist den wir bereits von 1999 her kennen und der dem JGO ein Stück widmete das wir lange und häufig im Repertoire hatten. Nach dem Konzert  waren alle zu einem Pizzaessen eigeladen, es gab in lockerem Rahmen rege  Gespräche mit den australischen Gitarristen.

 

     
  Christian Wernicke
Helmut Oesterreich
Tim Kain
 

06.09

Ein Missverständnis  führte dazu dass wir statt zu einen Ausflug zum  Wildlife-Park im Zoo landeten. Schade, eigentlich wollten wir Kängurus und Koalas in freier Wildbahn und nicht in Käfigen sehen. Immerhin hatten wir das Vergnügen hier die Tiere streicheln zu können. Mehr Zeit blieb nicht, am Abend ging dann bereits wieder der Flug nach Brisbane, wo wir 2 Stunden später ankamen und das bislang beste und komfortabelste Hostel der Tour bezogen. Es hatte sogar einen Pool auf dem Gelände.

 

07.09. Brisbane

           

Der Vormittag war Freizeit um die Stadt zu erkunden. An sich ist Brisbane zwar am Fluss sehr schön gelegen aber als moderne Großstadt unspektakulär. Nachmittags trafen wir unsere Partnerin vor Ort, Angelina Ellis, die die Konzertvorbereitung im Mc Elligott Theater des St Laurece’s College organisiert hatte.  Im wieder gut besuchten Konzert waren auch der Honorarkonsul der Deutschen Botschaft und ein , Chef einer Deutsch – Austrealischen Wirtschaftskommission anwesend. Das JGO spielte in diesem Konzert wohl mit dem besten Nivea der Tour, besonders Kancheli und Banksy kamen wieder gut an. In der Pause fand eine Gitarrenverlosung des Sponsors, einem Gitarrenhändler für die Gitarrenschüler des College statt. Im Hostel erholten wir uns bei Pizzaservice und Soft Drinks. Es herrschten  komplizierte, restriktive  Regeln zum Alkoholkonsum. Das ist durchaus verständlich aber doch auch frustrierend wenn man nach einem schönen Konzert kein Bier trinken kann bzw das heimlich außerhalb des Hostel - Geländes tun muss. 

 

08.09.

Nach dem Frühstück begab sich das JGO per Fähre auf dem Brisbane River zur University  of Queensland. Patricia Pollart, Bratschistin und Jyrypartnerin von H. Oesterreich bei einem Gitarrenorchesterwettbewerb in Singapur hatte ein Lunchtime - Konzert organisiert. 120 Zuhörer alles Fachleute vom music department, Gitarristen, Musikstudenten bildeten das Publikum. Das Konzert fand auch hier wieder sehr positive Resonanz. Anschließend brachten 2 Studenten uns wieder zum College, wo man uns mit Kuchen, Obst und Getränken versorgte. Den Abschluss unserer musikalischen Aktivitäten bildete ein Workshop.  Christian Wernicke und Helmut Oesterreich arbeiteten mit verschiedenen, nach Altersgruppen abgestuften Gitarrenensembles des St Laurents College Musikstücke die von den örtlichen Gitarrenlehrern und Ensembleleitern sorgfältig vorbereitet waren. Zum Abschluss spielte ein etwa 100- köpfiges Gitarrenorchester aller Beteiligten eine poppige Komposition von Richard Charlton, teils dirigiert von Angelina Ellis, teils von HOe . 

 

09.09.

Ein gemeinsamer Strandausflug zur "Sunshine Coast" bei leider regnerischem Wetter war Inhalt des letzten Tages in Brisbane. Dennoch hatten alle viel Spass in den Wellen und dann bei der Abschlussfeier abends im Hostel, bei der das ganze Ensemble sich am Kochen und Mahlzeit – Zubereiten beteiligte.

 

10.09.

Die Rückreise verlief ohne Zwischenfälle, es ging wieder über  Hongkong, und am Sonntag früh, einen Tag vor Schulbeginn in Baden Württemberg erreichten alle wohlbehalten und mit vielen Reiseeindrücken und Erfahrungen Frankfurt.

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Als Fazit bleibt festzustellen, dass diese Tournee, die seit mehreren „reisefreien“ Jahren zu unserer großen Freude und Genugtuung wieder mit Unterstützung von Goethe Institut und Landesmusikrat B-W stattfinden konnte durchweg positiv einzuschätzen ist.

Das durch Generationenwechsel stark verjüngte JGO konnte dadurch rasch und nachhaltig wieder zu einem homogenen Ensemble zusammenwachsen bei dem  sich die Spieler durch ein „wir“- Gefühl untereinander und mit dem Orchester identifizieren können. Während der gesamten Reise herrschte eine Atmosphäre der gegenseitigen Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Anerkennung unter ihnen, gerade auch zwischen älteren erfahrenen Mitgliedern und den Jüngeren. Eine Spielerin feierte auf der Reise ihren 13! Geburtstag.

Aber– vor allem in Hongkong – bildeten sich auch freundschaftliche Kontakte zu chinesischen Jugendlichen, die über die Dauer der Reise hinaus Bestand haben wie sich auf den zahlreichen facebook – Einträgen ablesen lässt. Zudem hatte die Tour über die sehr schönen musikalischen Ereignisse hinaus sicher auch einen Erfahrungswert über das Leben in anderen Ländern und Kulturen, der langfristig in den Gedächtnissen haften bleiben dürfte

In der Hoffnung trotz angespannter Finanzlage bald wieder verreisen zu können danken die Spieler und Dirigenten des JGO dem Goethe Institut und dem Landesmusikrat für die Unterstützung, ohne die das Projekt bestimmt nicht hätte stattfinden können.