David Tanenbaum und das JGO

"I wanted first to tell you how much I enjoyed playing with you and the "band. You're doing such important work for the guitar. I've told steve Reich all about our work together. - Greetings from California, all the best, David Tanenbaum."

 

Die Nacht der 100 Gitarren

in der Alten Oper Frankfurt

 

 

Programm

David Tanenbaum (Solo) Frank Zappa Walz
  Lou Harrison Threnody for Oliver Daniel
    Walz for Evelyn Hinrichsen
    Serenade
    Air
    Tandy's Tango
  Aaron Jay Kernis Ciacona
    Echo
  Terry Riley Barabas
  Bryan Johanson La Folia Folio
 
David Tanenbaum und das Jugendgitarrenorchester Baden-Württemberg (H. Oesterreich) Olivier Bensa Trois Mouvements Dynamiques
  Andrew York Attic - New Age Walz
  Steve Reich Acoustic Counterpoint
  Henry Brant Rosewood

 

Die in Zusammenarbeit mit dem Konservatorium und der Jugendmusikschule veranstaltete "Nacht der 100 Gitarren" in der Alten Oper dauerte keineswegs die ganze Nacht. Vielmehr verbarg sich unter dem Titel ein überaus kurzweiliges Konzert von normaler Dauer, aber ungewöhnlicher Konzeption. Namensgeber und spektakulärster Teil des ausschließlich aus moderner amerikanischer Musik bestehenden Programms war das Stück "Rosewood" (Palisander) für 100 Gitarren des 1913 in Montreal geborenen Henry Brant.

Im ganzen Mozartsaal verteilt musizierten dabei sogar 132 Gitarristen: 25 Schüler der Main - Kinzig-Musikschule, 42 vom Konservatorium, auf drei Blöcke verteilt, auf der Empore, je 20 von der Jugendmusikschule an den Parkettseiten und 25 junge Musiker des Jugendgitarrenorchesters Baden-Württemberg auf der Bühne. Sujet der 1989 entstandenen, einfach strukturierten Komposition ist die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes. Die Einsätze für die in sich meist unisono agierenden Gruppen gab der amerikanische Gitarrist David Tanenbaum.

Das Saitenschaben und Trommeln mochte man recht abbildlich als Urwald- und Motorengeräusche vernehmen. Die Hauptgruppe auf der Bühne spielte teils auch komplexere Zitat - Collagen.Deutlich war mehrfach Bachs g-moll-Fuge BWV 1000 zu vernehmen. Oft entstand auf diese Weise ein diffuses Geräusch - Klang - Gemisch von eindrucksvoller Raumwirkung.

Als kompositorisch gleichwohl höherwertig erwies sich Steve Reichs "Acoustic Counterpoint". Das Jugendgitarrenorchester Baden - Württemberg, nun unter der Leitung des Frankfurter Hochschuldozenten Helmut Oesterreich und mit Tanenbaum als Solist, ließ von der Minimal Music geradezu eine hypnotisch - meditative Wirkung ausgehen. Gleichsam sehr homogen und konturiert erklang "Attic", ein mit Verfremdungseffekten gewürzter "New Age Walz" des Gitarristen Andrew York.

Im ersten Teil des Abends spielte Tanenbaum allein, technisch perfekt, angenehm leise und weich sehr gefällige, überwiegend tonal gehaltene Stücke von Lou Harrison, Aaron Kernis, Terry Riley und Bryan Johanson. Am avantgardistischsten erklang anfangs der sekundenkurze "Walz" von Frank Zappa. (FAZ, 05.10.97)

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Die Vielschichtigkeit des Einfachen

Zeitgenössisches aus den USA - minimal Music in kongenialen Interpretationen

Das knapp dreißigköpfige Jugendgitarrenorchester Baden-Württemberg teilt hörbar Tanenbaums Virtuosität und Emphase in Bezug auf Musica Nova aus den Staaten. Olivier Bensas ,,Trois Mouvements Dynamiques" (dingiert von Roland Böhm) sind ein dramatisches, sehr dichtes Furioso, in dem das junge Orchester unbedingte Präzision und Durchhörbarkeit trotz satten Grundtimbres beweist.

Andrew Yorks (Jahrgang 1958) ,Attic" für neun Gitarren wird vom Komponisten ,,New Age Waltz" genannt, was die satirische, von Helmut Oesterreich sehr schwungvoll angelegte Dreivierteltakt-Persiflage recht treffend charakterisiert.

Steve Reichs (geboren 1936) ,,Acoustic Counterpoint" von 1988 demonstriert das hohe artifizielle Niveau, das spannende Minimal Music auszeichnet: David Tanenbaum und das Jugendgitarrenorchester führen sich wellenartig steigernde, gleichsam gegenseitig ,,hochschaukelnde" Dialoge, schaffen aus einfachsten Grundbausteinen ein extrem fein gesponnenes Klanggebäude, dessen irisierend changierende Farben sich tief in die Seele fressen. (Fränkische Zeitung)

 

JGO und David Tanenbaum in der Universität Frankfurt am 17.07.2000

"It was great to work with you and the kids again."

Anlässlich eines internationalen wissenschaftlichen Kongresses an der Johann - Wolfgang von Goethe - Universität in Frankfurt fand die Zusammenarbeit von JGO und David Tanenbaum eine erfreuliche Fortsetzung. In der Eröffnungsveranstaltung wurd wieder "Rosewood" unter Mitwirkung zahlreicher Gast - Gitarristen sowie "Electric Counterpoint" aufgeführt. Im Anschluss an dieses Konzert äusserte David Tanenbaum die Absicht diese Music mit dem JGO auf CD einzuspielen.


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